Warum alleine reisen das Beste ist!

Alleine reisen Passport full of Happiness

Die Kunst des Alleine Reisens

Du willst hinaus in die Welt gehen, aber niemand will dir folgen? Kein Problem! Denn alleine reisen ist so eine tolle Erfahrung, das solltest du unbedingt einmal ausprobiert haben.

Es ist doch so, der Mensch ist normalerweise nie gerne alleine. Vielleicht einmal für eine Stunde, um vom Alltag abzuschalten. Aber nicht generell und vor allem nicht im Urlaub. Es erfüllt uns mit Angst, uns alleine durch alle Probleme durchkämpfen zu müssen, die Erlebnisse mit niemanden teilen zu können, einsam und traurig im Zimmer zu sitzen und keinen Verbündeten zu haben.

Jetzt sag ich dir etwas: alleine reisen ist toll. 🙂 Und es ist so eine große Bereicherung für dein Selbstbewusstsein, deine Offenheit und deinen gesamten Reisestil inklusive der Eindrücke, die du machst. So sehr, dass du es vielleicht nie wieder missen willst. Ich habe jedenfalls Blut geleckt und bevorzuge diese Art des Reisens mittlerweile. Warum das so ist, erfährst du hier.

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Bevor ich das erste Mal notgedrungen alleine reisen musste, war ich der gleichen Ansicht wie die meisten Menschen. Warum sollte ich es anstreben, einsam auf meinem Zimmer zu sitzen..mit niemanden zum reden? Warum sollte ich alleine diesen Wanderweg laufen, ohne die Erfahrungen  mit jemanden teilen zu können? Die Antwort ist:


alleine heißt nicht einsam


Und das war eine wichtige Erkenntnis für mich. Momentan bin ich in der Phase, in der ich es wirklich sehr schätze, in Hostels zu übernachten, während man reist- selbst in Ländern, wo das finanziell nicht notwendig ist. Und das ist der Schlüssel, denn dort bist du nie einsam – wohl aber alleine, was in meinen Augen in diesem Zusammenhang nur eins bedeutet: frei. Als Alleinreisender bist du so unglaublich frei. Du kannst machen was du willst, hingehen wo du willst, solange dort bleiben wo du willst und reden mit wem du willst – ohne Kompromisse, ohne Einschränkungen. Und das Beste: im Hostel bist du nie einsam. Dort sind sooo viele tolle Menschen aus allen möglichen Ländern, die wirklich tolle Geschichten erzählen zu haben und nur darauf warten, dass du sie ansprichst. Dadurch, dass man alleine ist, spricht man sie einfach schnell und ohne zu überlegen an, da man ja eben nicht einsam in seinem Zimmer sitzen möchte. Man kommt ins Gespräch und geht abends oft noch zusammen in der Gruppe auf einen Markt, oder am nächsten Tag wandern, oder Sehenswürdigkeiten angucken. Wenn man merkt, dass die Chemie stimmt und man eine ähnliche Reiseroute hat, tut man sich einfach zusammen und reist ein paar Wochen oder Monate gemeinsam.

 

Mir ist allerdings aufgefallen, dass es total anders ist, wenn man mit einem Reisepartner reist. Dadurch dass man ja jemanden hat, ist man viiieel zurückhaltender, was andere Menschen im Hostel oder auf der Straße angeht – man muss ja schließlich eh keine Freundschaften schließen, man hat ja jemanden. Selbst wenn es zu einem Gespräch kommt, bleibt es oft sehr oberflächig und zu dem Marktbesuch würde man eh nur in Absprache miteinander kommen, selbst wenn man selbst eigentlich total Lust hätte, aber man lässt den anderen ja nicht alleine zurück. Wenn man zu zweit reist, hat man auch oft schon eine Route im Kopf und würde nicht so schnell wegen ein paar anderen Leute, alles über den Haufen schmeißen und sich dort mit einklinken, man hat ja eh sich und es somit gar nicht nötig. Und generell ist man einfach sehr viel abhängiger von der anderen Person. Ich habe es wirklich oft in Hostels erlebt, dass Reisepartner (ob nun Pärchen oder Freunde) oder auch 3er oder 4er-Gruppen sich wirklich so abschotten von allem und jedem, dass sie das ganze drumherum des Reisens total verpassen.

Die Vorteile des Alleinereisens sind für mich ganz klar:

 

Man gewinnt sehr viel Selbstvertrauen

Ob man schon einmal von einem TukTuk-Fahrer übers Ohr gehauen wurde, an einem Grenzübergang nicht weiter wusste oder Probleme mit der Fluggesellschaft hatte. Man hat es doch immer wieder regeln können und sich alleine durchgekämpft. Du glaubst gar nicht, wie viel Selbstsicherheit dir das vermittelt. Denn wenn man mit solchen Situationen umgehen kann, dann schafft man es auch locker mit kleinen und alltäglichen Problemen. Man vertraut einfach viel mehr in sich selbst und seine Fähigkeiten. Das gilt natürlich nicht nur für Probleme beim Reisen, sondern auch, wenn du beispielsweise eine sehr anstrengende Wanderung gepackt hast, oder deine Sprachbarrieren überwunden hast. (Tipps, wie du ohne gute Englischkenntnisse oder der Landessprache beim Reisen weiter kommt, findest du übrigens hier). Im sicheren Zuhause, wo man notfalls immer die Eltern oder Freunde fragen könnte, neigt man dazu, dies auch zu tun. Später, wenn ein ähnliches Problem auftaucht, hat man dann allerdings nicht das Selbstvertrauen, das selbst zu lösen, sondern wird höchstwahrscheinlich wieder die gleichen Personen um Rat bitten.

 

Man lernt sehr viel über sich selbst

Das sagt sich erst einmal so leicht daher, aber wann lernen wir denn wirklich einmal etwas über uns selbst und über das, was wir wirklich wollen? In unserer Komfortzone meistens nicht. Dadurch, dass du beim Alleinereisen völlige Freiheit hast, hörst du oft das erste Mal in dich hinein, was DU denn wirklich willst. Und nicht, weil du einem Gruppenzwang nachgibst oder weil man das „halt so macht“. Du musst niemanden beeindrucken oder ein Kompromiss schließen oder jetzt auf die Party mitgehen, weil man das nun einmal so in deinem Alter macht oder deine Freunde nicht alleine gehen wollen. Du bist frei. Und das führt dazu, dass du wirklich einmal in dich gehst und lernst, was du wirklich willst. Ich habe generell gelernt, mehr auf mein Bauchgefühl zu hören und versuche danach auch zu handeln. Ich habe über mich persönlich beispielsweise auch gelernt, dass ich überhaupt kein Stadtmensch bin und lieber eine Woche auf einer einsamen Hütte mit guten Leuten in den Bergen verbringe. Oder dass ich lieber früh aufstehe und den Sonnenaufgang im Nationalpark sehe, als bis 12 Uhr meinen Kater auszuschlafen. Dass ich 1000 Mal lieber Low-Budget- Abenteuerurlaub machen, als in dem schickesten Hotel mit all-inclusiv und deutschen Angestellten Urlaub mache. Oder dass ich zwar gerne rede und sozial bin, aber auch gerne einfach einmal die Stille der Natur genieße. Dass ich mich generell total eins mit der Natur fühle, wenn ich die schönsten Wanderwege alleine mache und ich total demütig vor dieser wundervollen großen Welt werde, wenn man erlebt, was die Erde alles zu bieten hat.

Alleine wandern gehen, empfehle ich generell immer gerne – sehr meditativ! 🙂

Ein tolles Buch dazu ist auch „Wild- Der große Trip“  oder auch die englische Version „Wild- From Lost to Found“. In dem Buch beschreibt die Autorin, wie sie den Pacific Crest Trail, ein Wanderweg zwischen Mexiko und Kanada im Westen der USA, ganz alleine und als Frau wandert und zu sich findet. Ich finde das Buch wirklich toll. Ich hatte es einmal in einem Hostel-Bücherregal entdeckt und es mir in Deutschland sofort gekauft 🙂


Man ist viel Offener

Das ging mir selbst genauso. Ich bin zwischendurch auch öfters für einige Monate mit Reisepartner gereist und das ist auch wirklich toll, da man alle Erlebnisse mit der gleichen Person teilen kann und nicht immer wieder neuen (alles hat eben sein für und wider :P), allerdings neigt man tatsächlich dazu, irgendwann unter sich zu bleiben. Man hat keine Lust auf die immer gleichen Smalltalk-Gespräche und es lohnt sich ja eh nicht, sich dicker mit den anzufreunden, da man in 3 Tagen ja eh wieder weiter reist. Tja..eigentlich schade. Es stimmt, die Smalltalk-Gespräche sind wirklich total nervig. Aber wenn man die ersten 10 Minuten überstanden hat und die typischen Fragen wie: wo kommst du her, wo warst du schon überall, wo willst du noch hin etc. überstanden hat, dann kommt es oft zu richtigen Gesprächen und nicht selten zu richtig guten Gesprächen. Man lernt im Laufe des Reisens wirklich sehr schnell, auf sein Bauchgefühl zu hören, ob die Chemie mit einer Person stimmt oder nicht. Und mir ist auch aufgefallen, dass man beim Reisen innerhalb kürzester Zeit sehr eng mit Personen wird und wirklich sehr intensive Gespräche führt. Es ist doch so: beim Reisen begegnet man Leuten, die schon einmal das gleiche Grundinteresse, wie du haben, was schon einmal eine gute Voraussetzung für einen Gesprächspartner ist. Sie sind oft viel in der Welt rumgekommen und haben viele Reisegeschichten zu erzählen und gute Tipps zu geben. Die ganze Lebenseinstellung ist oft anders und es ist wirklich sehr erfrischend, Menschen zu treffen, die deutlich weiter über den Tellerrand schauen. Außerdem ist die Mentalität in den Hostels generell sehr sehr offen. Das kann man mit Deutschland einfach nicht vergleichen, wo man teilweise komisch angeguckt wird, wenn man eine fremde Person anlächelt oder sich sogar noch an deren Tisch setzen würde, obwohl alle anderen Tische frei sind. Zudem kommt hinzu, dass man sich beim Reisen sehr schnell sehr verbunden fühlt. Wo man im „normalen“ Leben oft ein halbes Jahr braucht, hat man das hier innerhalb einer Woche erreicht (ist vielleicht vergleichbar mit Klassenfahrten ^^). All das führt dazu, dass man auch selbst viel offener wird und über viel über sich preisgibt. Man geht eventuell auch auf Menschen zu, mit denen man vorher nie geredet hätte oder trifft vielleicht auch den perfekten Seelenverwandten.

 

Man ist deutlich fokussierter

Ob man in eine neue Stadt oder ein neues Land kommt, wenn man nicht von jemand anderen abgelenkt ist, nimmt man es viel deutlicher wahr. Ich habe es meistens so gemacht, dass ich mir die Stadt, in die ich neu gereist bin, erst einmal alleine angeguckt habe. Zum einen weil man viel mehr Eindrücke aufnehmen und verarbeiten kann und man einfach deutlich mehr bei der Sache ist. Man ist nicht damit beschäftigt, irgendwelche Sachen zu bereden und nimmt alles einfach viel intensiver wahr – die Gerüche, Menschen, Farben und Geräusche. Außerdem ist das auch nicht so schlecht, was die Orientierung angeht. ^^ Wenn wir die Straßen einmal alleine und nicht als „Beifahrer“ abgelaufen sind, können wir uns viel eher daran erinnern 🙂 Und es spricht ja nichts dagegen, sich danach Leuten im Hostel anzuschließen 🙂

 

Fazit

Alleine zu reisen ist wirklich eine tolle Sache und ich hoffe, ich habe damit einigen die Angst genommen. Teilweise werde ich nämlich wirklich ungläubig angeguckt, wenn ich erzähle, dass ich da und dahin alleine reise- bewusst und obwohl ich auch mit jemand anderen hätte dahin reisen können. Alleine reisen heißt nicht, einsam zu sein oder die ganze Zeit alleine zu bleiben, sondern vor Ort Bekanntschaften zu machen und dann eventuell mit anderen Reisenden weiterzuziehen. Einfach seinen Horizont erweitern, etwas über dich selbst zu lernen und über andere Menschen. Und zudem muss man auch dazu sagen, dass, nur weil man mit jemanden gut Zuhause befreundet ist, man reisetechnisch nicht unbedingt zusammen passen muss. Oft sind die Vorstellungen völlig anders oder 24/7 aufeinander zuklucken dann doch etwas ganz anderes, als sich vorher nur einmal ein Wochenende verabredet zu haben. Und dann ist es eher lästig, mit jemanden zu reisen. Versteht mich nicht falsch, ich finde es genauso toll, wenn man seinen Reiseseelenverwandten gefunden hat, der genau die gleichen Ansprüche, Vorstellungen und Erwartungen hat und sich für die gleichen Dinge begeistern kann. Es ist toll, die Erlebnisse mit einer Person zu teilen und sich keine Sorgen zu machen, was passiert, weil man in einer Notsituation ja immer noch sich hätte- ABER genauso gut ist es auch einmal alleine und unabhängig unterwegs zu sein.

Daher: es gibt kein gut oder schlecht und kein entweder-oder. Aber jeder sollte es einmal ausprobiert haben, weil es wirklich eine tolle Erfahrung ist. 🙂

Lasst mir gerne Kommentare mit euren Gedanken da! Seid ihr auch schon einmal alleine gereist oder habt es bald vor? 🙂

Josephine Nitschke Passport full of Happiness

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